Karfreitag: Kreuzweg in Zeiten der Coronakrise mit Gedanken von Etty Hillesum und P. Alfred Delp SJ

Alfred Delp: *1907, +1945, Ordensmann, Priester, Journalist, Mitglied im Widerstand gegen die Nazis

Etty Hillesum: *1914, + 1943, Jüdisch-niederländische Intellektuelle. Beide wurden Opfer des Naziregimes

Von Erwin Neumayer

Eröffnungsgebet:

Herr, Jesus Christus, Du bist Mensch geworden und hast Dich auf die Krankheiten und das Unheil der Welt eingelassen.

Du hast während Deines Erdenlebens vielen Kranken Hoffnung, Perspektive und auch Heilung geschenkt.

Deine Worte, die wir in der Heiligen Schrift lesen, sind herausfordernd, aufbauend, ermutigend und wegweisend.

Am Ende Deines irdischen Lebens hier auf unserer Welt, hast Du alle Krankheiten und Schmerzen auf Dich genommen und das Kreuz zu einem Hoffnungszeichen gemacht.

In dieser Zeit, wo die ganze Welt unter der Coronakrise leidet, wo Menschen isoliert einsam und sich selbst überlassen sind,

wo Menschen um ihre Liebsten trauern,

wo Menschen unter Aufbietung all ihrer physischen und psychischen Kräfte sich aufopfernd für andere einsetzen,

wollen wir in Solidarität mit all diesen Menschen betend und betrachtend den Kreuzweg mitgehen und sie und auch uns Dir anvertrauen.

Herr, Jesus, hab Erbarmen und mit uns und mit der ganzen Welt!

I. Station

Jesus wird zum Tod verurteilt.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Lukasevangelium:

Sie aber bestürmten ihn mit lautem Geschrei und verlangten seine Kreuzigung; und ihr Geschrei drang durch. So fällte denn Pilatus das Urteil, ihr Verlangen solle erfüllt werden. Er gab also den Mann frei, der wegen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis geworfen worden war, wie sie es verlangten; Jesus dagegen gab er ihrem Willen preis. (Lk 23, 23-25)

– Stille –

Alfred Delp schreibt:

„Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.2 Es ist die unbegreiflichste Tatsache der Eingeschichtlichung Gottes. Dass er in unser Gesetz, in unsere Räume, in unsere Existenz eintritt; nicht nur wie, sondern als einer von uns. Das ist das Erregende und Unfassliche dieses Geschehens. Die Geschichte wird nun auch zur Daseinsweise des Sohnes, das geschichtliche Schicksal sein Schicksal.“3

2 Delp, Alfred. Gesammelte Schriften. Bd. 3, Predigten und Ansprachen. Hg. von Bleistein, Roman SJ, Frankfurt am Main 1985, S. 195

3Gesammelte Schriften. Bd. 4, S.36

Kann ich dem Leben in der gegenwärtigen Lage noch trauen?

Kann ich anderen Menschen trauen? – Wer weiß, vielleicht ist auch sie/er angesteckt?

Wie lange werden die Maßnahmen noch dauern?

Ø Für die politischen Verantwortungsträger, die nun weitreichende Entscheidungen zu treffen haben.

Ø Für jene, die sich mit den derzeitigen gesellschaftlichen Entscheidungen schwer tun oder darunter leiden.

Ø Für die Ärzte in den italienischen Krankenhäusern, die bei der Behandlung über das Leben und den Tod von Schwerkranken zu entscheiden haben, weil die Plätze einfach nicht mehr ausreichen.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

II. Station

Jesus nimmt das Kreuz auf sich

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Markusevangelium:

Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Purpurmantel ab und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. (Mk 15,20)

– Stille –

Etty Hillesum schreibt:

„Das große Leid überall treibt einen dazu, sich zu schämen, dass man sich selbst mit all seinen Stimmungen so ernst nimmt. Aber man muss sich selbst weiterhin ernst nehmen, man muss selbst im Mittelpunkt bleiben und versuchen, mit allem, was in der Welt geschieht, fertig zu werden. Man darf die Augen vor nichts verschließen, man muss sich mit dieser Zeit auseinandersetzen und versuchen, eine Antwort zu finden auf die vielen Fragen von Leben und Tod, die diese Zeit einem stellt. (…) Ich lebe nur einmal.” 4

4 Hillesum, Etty. Das denkende Herz. Tagebücher 1941-1943. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek b. Hamburg 1995. (Erste Herausgabe in Deutsch 1983 Freiburg i. Br./Heidelberg. Verlag F. H. Kerle, 1983. Übersetzung aus dem Niederländischen von Maria Csollany. Originaltitel: Het verstoorde Leven. Dagboeck van Etty Hillesum 1941-1943. Verlag De Haan, Haarlem 1981), S. 48-49

5 Das denkende Herz, S. 13

6 Das denkende Herz, S. 142

„Das Leben wird sehr schwer werden. Wir werden getrennt werden, wir alle, die wir einander teuer sind. Ich glaube, dass die Zeit nicht mehr fern ist. Man sollte sich innerlich bereits darauf vorbereiten. (Freitagmorgen, 27. Februar 1942“ 5

„… ich gehe an jeden Ort dieser Erde, wohin Gott mich schickt, und ich bin bereit, in jeder Situation und bis in den Tod Zeugnis davon abzulegen, […] daß es nicht Gottes Schuld ist, daß alles so gekommen ist, sondern die unsere.“ 6

Wie geht es mir persönlich angesichts der derzeitigen Krise?

Auch wenn ich keine Antwort darauf finde: Kann ich annehmen, dass diese Situation nicht von Gott als Strafe stammt?

Kann ich trotz der vielen Einschränkungen, Zumutungen und Herausforderungen die „Silberfäden des Gottesgeheimnisses“ in meinem Leben erkennen?

Ø Jesus, wir beten für alle, deren Lebenspläne brutal durchkreuzt wurden.

Ø Jesus, wir beten für alle, die diese Zeit als eine schwere Last erfahren und darunter leiden oder zusammen zu brechen drohen.

Ø Jesus, wir beten für alle, die die Not der vielen für Betrügereien und Einbruch nutzen.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

III. Station

Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuz

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Hebräerbrief:

Denn da er gelitten hat und selbst in Versuchung geführt wurde, kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt. (Heb 2,18; 12,2)

– Stille –

Alfred Delp schreibt:

„Er ist auf unseren Straßen anzutreffen. In den dunkelsten Kellern und einsamsten Kerkern des Lebens werden wir ihn treffen. Und das ist schon die erste Segnung und Weihung der Last, dass er unter ihr anzutreffen ist. Und damit auch gleich die zweite: alle, die denselben Lastballen schleppen, spüren es, wenn eine neue mächtige Schulter sich unter ihn schiebt und mitträgt“.7

7 Gesammelte Schriften Bd. 4, S. 189

Auch wenn die Straßen gegenwärtig fast leer sind: Wo kann ich Gott entdecken?

Wo kann ich in meiner klein gewordenen Welt helfen?

Kann ich angesichts dieser Krise so etwas wie Solidarität entdecken, spüren oder vielleicht sogar selbst Solidarität leben?

Ø Für alle, die in Versuchung sind, die Maßnahmen zum Schutz der Mitmenschen nicht mitzutragen.

Ø Für alle, die sich wie unter die Räder gefallen vorkommen.

Ø Für die Mitarbeiter der Müllabfuhren und für jene, die unsere Straßen sauber halten oder kontrollieren.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

IV. Station

Jesus begegnet seiner Mutter

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Lukasevangelium:

Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt,

dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein

Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen

offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. (Lk 2, 34-35)

– Stille –

Alfred Delp schreibt:

„Man muss einmal einem Menschen begegnet sein, dessen Dasein und Nähe allein schon stärkt und erhebt, der für den anderen einfach ein Kraftfeld des Haltes, der Freude, der Zuversicht mit sich bringt, der einfach die Atmosphäre bestimmt: dann versteht man dieses Wort. Dass die geistige Stärkung und Erhebung und Beseligung, die mit dem dulce gemeint ist, sich wirklich wie Temperatur im Raum verbreitet und das Klima plötzlich voller Zuversicht und Menschenfreundlichkeit ist. Refrigerium: Lösung des Erstarrten. Die Wohltat, die Wärme und Geborgenheit für den der Kälte und den Wunden ausgelieferten Leib bedeuten, die kommt dem Geist, dessen Erlebnisse ja auch die Trostlosigkeiten und Bedrängnisse viel intensiver spüren, in der Begegnung mit dem inneren Freund zu.“8

8 Gesammelte Schriften Bd. 4, S. 271

Nach welchen Menschen habe ich in diesen Tagen und Wochen Sehnsucht nach Begegnung?

Wie schaut bei mir die Möglichkeit der Begegnung mit anderen Menschen aus?

Wo kann ich für andere so jemand wie eine Aufrichtende/ ein Aufrichtender werden?

Ø Jesus, wir beten für alle, die unter ihrer Einsamkeit und Isolation leiden.

Ø Jesus, wir beten für alle, die mithelfen, dass gute und heilsame Begegnungen zustande kommen.

Ø Jesus, wir beten für alle, die sich auf ihre Freund_innen verlassen können.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

V. Station

Simon hilft Jesus das Kreuz tragen

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Markusevangelium:

Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, nahmen sie ihm den Purpurmantel ab

und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an. Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu

kreuzigen. Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Zyrene, den Vater des

Alexander und des Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen. (Mk 15,20-21)

– Stille

Etty Hillesum schreibt:

„Gestern habe ich einen Augenblick lang gedacht, ich könnte nicht mehr weiterleben und hätte Hilfe nötig. Ich konnte den Sinn des Lebens und den Sinn des Leidens nicht mehr erkennen, ich hatte das Gefühl, unter einem gewaltigen Gewicht zusammenzubrechen, aber auch dadurch habe ich einen Kampf durchgefochten, der mich weitergebracht hat, durch den ich stärker bin als vorher. Ich habe versucht, dem Leid der Menschheit gerade und ehrlich in die Augen zu schauen, ich habe mich damit auseinandergesetzt, oder besser: irgendwas in mir hat sich damit auseinandergesetzt. Auf viele verzweifelte Fragen bekam ich Antwort, die große Sinnlosigkeit hat wieder einer gewissen Ordnung und Regelmäßigkeit Platz gemacht, und ich kann wieder weitermachen. Es war wiederum nur eine kurze, aber heftige Schlacht, aus der ich ein winzig kleines bisschen reifer hervorgegangen bin.“9

9 Das denkende Herz, S. 38

Wo konnte ich mithelfen, anderen ihr Kreuz zu tragen?

Oder wer hat mir geholfen, mein Kreuz in dieser Zeit zu tragen?

Ø Für alle Ärzte, Krankenpfleger_innen und – Helfer_innen, die den Erkrankten beistehen.

Ø Für alle, die im Handel und im öffentlichen Leben arbeiten.

Ø Für alle, die in diesen Tagen und Wochen ganz im Stillen und ohne Aufhebens ihre Pflicht tun.

Ø Für alle, die anderen Lichter der Hoffnung und Zuversicht schenken.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

VI. Station

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Buch der Psalmen:

Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen; sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht. Dein Angesicht, Herr, will ich suchen,

verbirg nicht dein Gesicht vor mir! (Ps 27, 7-9a)

– Stille –

Etty Hillesum schreibt:

„Das viele Reden mit Freunden tut mir im Augenblick nicht gut. Ich verausgabe mich dabei völlig. Ich bin noch nicht stark genug, um mich zurückzuziehen. Irgendwann einmal das richtige Gleichgewicht zwischen meiner introvertierten und extravertierten Seite zu finden ist meine große Aufgabe. Beide sind gleich stark in mir. Ich habe gern Kontakt mit Menschen. Mir ist, als würde ich durch meine intensive Aufmerksamkeit das Beste und Tiefste aus ihnen hervorlocken, sie öffnen sich mir, jeder Mensch ist für mich eine Geschichte, die das Leben mir selbst erzählt. Und meine Augen brauchen nur begeistert zu lesen. Das Leben vertraut mir so viele Geschichten an, ich werde sie weitererzählen müssen und sie jenen Menschen nahebringen, die nicht so unmittelbar aus dem Leben zu lesen vermögen. Gott, Du hast mir die Gabe verliehen, dass ich lesen kann, wirst Du mir auch die Gabe schenken, schreiben zu können?“ 10

10 Das denkende Herz, S. 201f

Das Gesicht Jesu – kann ich das auch in den Leidenden erkennen?

Das Gesicht Jesu – kann ich das auch in den Geschundenen erkennen?

Das Gesicht Jesu – kann ich das auch in dem Menschen erkennen, die/der mir gegenwärtig gegenübersteht?

Ø Jesus, wir beten für alle, die sich freiwillig für verschiedene Dienste gemeldet haben.

Ø Jesus, wir beten für alle, die in den kommenden Wochen als Milizsoldaten einberufen werden.

Ø Jesus, wir beten für alle, die als Zivildiener im Dienste der Nächsten stehen.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

VII. Station

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem ersten Petrusbrief:

Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine

Sache dem gerechten Richter. Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des

Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch

seine Wunden seid ihr geheilt. (1 Petr 2, 23-24)

– Stille –

Alfred Delp schreibt:

Zur Sequenzbitte „Sana quod est saucium“ („Heile, was verwundet ist“) schreibt Delp – reich beschenkt durch die Früchte dieser Bitte: „Es gibt die Wunden der Not, aber es gibt auch die Wunder der Not.“ Wenn der Mensch in Not sich der Gegenwart des Geistes öffnet, dann wird ihm bewusst, „dass der Herrgott sein Leben teilt, dass er vom heiligen Geist in die Intimität mit Gott berufen ist und so der Herrgott selbst nun die harten Zeiten und Strecken mit durchwandert…“ 11

11 Der ganze Text findet sich in: Delp, Alfred, Gesammelte Schriften, Hg. von Roman Bleistein, Band 4, S. 263 – 305

Kann ich glauben, dass „der Herrgott selbst nun die harten Zeiten und Strecken mit durchwandert…“?

Was sind für mich gegenwärtig die Wunden der Not?

Wo kann ich Wunder der Not entdecken?

Ø Für alle, die durch die Verbreitung der faknews verunsichert werden.

Ø Für alle, die im Öffentlich Rechtlichen Rundfunk sich um objektive Berichterstattung bemühen.

Ø Für alle, die aufgrund von erhöhten Produktpreisen Ungerechtigkeit erleiden.

Ø Für alle, die sich um den Verlust ihres Arbeitsplatzes Sorgen machen, und für alle bereits arbeitslos Gewordenen.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

VIII. Station

Jesus begegnet den weinenden Frauen

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Lukasevangelium:

Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich;

weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den

Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. (Lk 23, 28-29)

– Stille –

Etty Hillesum schreibt:

„Zur Erniedrigung sind zwei Leute notwendig. Einer, der erniedrigt, und einer, der sich erniedrigen lässt. Entfällt das letztere, ist also die passive Seite gegen jede Erniedrigung immun, dann verpuffen die Erniedrigungen in der Luft. Was übrigbleibt, sind nur lästige Verordnungen, die das tägliche Leben beeinflussen, aber keine Erniedrigung oder Unterdrückung darstellen, die die Seele bedrängen. […] Ich radelte heute morgen über den Stadionkade, genoss den weiten Himmel über dem Stadtrand und atmete die frische, nicht rationierte Luft. […] Aber auch über dem einzigen Weg, der uns verblieben ist, wölbt sich der gesamte Himmel. […] Man kann es uns recht ungemütlich machen, man kann uns der materiellen Güter berauben, auch der äußeren Bewegungsfähigkeit, aber letzten Endes berauben wir uns selbst unserer besten Kräfte durch unsere falsche Einstellung. [… ] Ich finde das Leben schön und fühle mich frei. Der Himmel ist in mir ebenso weit gespannt wie über mir. Ich glaube an Gott und ich glaube an die Menschen, das wage ich ohne falsche Scham zu sagen. Das Leben ist schwer, aber das ist nicht schlimm. Man muss beginnen, sich selbst ernst zu nehmen, und das übrige kommt von selbst. Und das ‚Arbeiten an sich selbst‘ ist weiß Gott kein kränklicher Individualismus.“ 12

12 Das denkende Herz, S. 114 f

Mitleiden mit Jesus, Mitleiden mit den anderen ist mehr als Betroffensein, ist mehr als das Wecken von Mitgefühl. Wann hatte ich das letzte Mal Mitleid?

Mitleiden mit Jesus, Mitleiden mit den anderen setzt Selbsterkenntnis voraus, das Eingeständnis auch selbst an den Zuständen der gegenwärtigen Welt wie Klimawandel etc. verantwortlich zu sein.

Wo braucht es bei mir eine Kurskorrektur?

Ø Jesus, wir beten für alle, die in der Versuchung sind, in Selbstmitleid zu versinken.

Ø Jesus, wir beten für alle, deren Glaube an Dich bloß vorrangig aus „guten Gefühlen“ besteht.

Ø Jesus, wir beten für alle, welche durch die täglichen Nachrichten über die Coronakrise abzustumpfen drohen.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

IX. Station

Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt.

Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen. Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen. (Jes 53, 5-6.10)

– Stille –

Alfred Delp schreibt:

„Es ist Zeit der Aussaat, nicht der Ernte. Gott sät; einmal wird er auch wieder ernten. Um das eine will ich mich mühen: wenigstens als fruchtbares und gesundes Saatkorn in die Erde zu fallen. Und in des Herrgotts Hand. Und mich gegen den Schmerz und die Wehmut wehren, die mich manchmal anfallen wollen. Wenn der Herrgott diesen Weg will – und alles Sichtbare deutet darauf hin – dann muss ich freiwillig und ohne Erbitterung gehen. Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind.“ 13

13 Gesammelte Schriften Band 4, S. 110

Wie geht es mir in diesen Tagen und Wochen mit der nötigen Geduld?

Kann ich warten und zugleich nicht viel dazu tun? Halte ich das aus?

Kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass Gott auch aus dieser schlimmen Erfahrung etwas Gutes schaffen kann?

Ø Für alle Ungeduldigen und Unzufriedenen in diesen Tagen und Wochen.

Ø Für alle, die sich nicht aufraffen können, das in ihrer Möglichkeit Notwendige zu tun?

Ø Für alle, die ganz die Hoffnung verloren haben.

Ø Für alle, die als Ein-Personen-Betrieb, als Wirtschaftstreibende, oder als Künstler_innen an den Rand der Existenz gedrängt werden.

Ø Für alle, die ihre Arbeit verloren haben.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

X. Station

Jesus wird seiner Kleider beraubt.

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Lukasevangelium:

Die Soldaten warfen das Los und verteilten seine Kleider unter sich. Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. (Lk 23, 34 – 35)

– Stille –

Alfred Delp schreibt: Zur Anrufung „Veni sancte spiritus et emitte caelitus“ („Komme, du Geist der Heiligkeit aus des Himmels Herrlichkeit“):

„Wenn wir müde sind und verzagen, sollen wir nicht zuerst die Übermacht der Schicksale messen und aufzählen, sondern nur fragen, ob wir nahe genug bei Gott sind und ob wir genug gerufen haben. Die ewigen Berge, von denen Hilfe kommt, sind da. Und ihre Hilfe ist bereit und wartet und kommt. Ich lebe doch gerade den Beweis für diese Wahrheit. Gott erzieht mich direkt und konsequent zu dieser Einsicht. Alles, was ich an Sicherheit und Klugheit und Schläue mitbrachte, ist unter der Wucht und Härte der Widrigkeiten zersplittert. Dios solo basta14. Diese Monate haben mir viel zerschlagen, dem Urteil nach zuletzt die ganze physische Existenz. Und doch sind so viele Wunder geschehen. Gott hat diese Sache ganz in seine eigene Regie genommen. Und ich habe das Rufen gelernt und das Warten auf die Botschaft und Kraft der ewigen Berge.“15

14 „Gott allein genügt.“ (Theresa von Avila und Johannes vom Kreuz zugeschrieben.)

15 Gesammelte Schriften, Bd. 4, S. 264

„Mein Vater, ich überlasse mich dir; mach mit mir, was dir gefällt.

Was du auch mit mir tun magst, ich danke dir.

Zu allem bin ich bereit,

alles nehme ich an.

Wenn nur dein Wille sich an mir erfüllt

und an allen Geschöpfen,

so ersehne ich nichts, mein Gott.

In deine Hände lege ich meine Seele.

Ich gebe sie dir, mein Gott,

mit der ganzen Liebe meines Herzens,

weil ich dich liebe und

weil diese Liebe mich treibt,

mich dir hinzugeben,

mich in deine Hände zu legen,

ohne Maß,

mit einem grenzenlosen Vertrauen.

Denn du bist mein Vater.“(Charles de Foucauld)

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

XI. Station

Jesus wird ans Kreuz genagelt

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Markusevangelium:

Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. Und eine Aufschrift (auf einer Tafel) gab

seine Schuld an: Der König der Juden. Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, den

einen rechts von ihm, den andern links. (Mk 15, 25-27)

– Stille –

Alfred Delp schreibt:

„Es kann in jedem einzelnen Leben und im Leben der Völker Zeiten geben, wo alles am Boden liegt, wo man vor zugeschlagenen Türen steht, vor Scherben. Es wird ein jeder durch solche Stunden und Zeiten geschickt. Vielleicht stehen wir vor Türen, die wir selbst zugeschlagen, vor Stunden, die wir selbst innerlich verbaut haben. Da bleibt immer nur das Eine: das sind Durchgangsstadien, nicht weil irgendwo ein Schlagwort aufkommt. Man kann stundenlang vor Scherben stehen müssen, aber man darf nicht vergessen: Hinter uns steht die Bürgschaft des Herrgotts zu der Menschheit, das Kreuzesopfer des Herrn. Darauf kann man sich verlassen. Wir müssen uns den Herrgott so innerlich heranbeten und heranholen, dass wir wieder wissen, man kann sich auf ihn verlassen. Und so kann man das Leben an sich herangehen lassen. Der Atem wird uns nicht ausgehen, weil es nicht Atem des Menschen ist, sondern Atem Gottes.“ 16

16 Gesammelte Schriften, Bd. 2, S. 255f

Wo erlebe ich mich in dieser Coronakrise wie angenagelt, festgenagelt?

Was wäre für mich das „schlimmste Szenario“ während dieser Zeit?

Was könnte auf meinem „Kreuzesschild“ geschrieben stehen?

Ø Für alle, die in diesen Tagen durch die Krankheit an ihr Intensivbett, ans Spitalbett gefesselt sind.

Ø Für alle, die zur Risikogruppe der Coronakrise gehören und noch mehr als bisher isoliert und einsam sind.

Ø Für alle, die den Mut in diesen Tagen verloren haben.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

XII. Station

Jesus stirbt am Kreuz

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Lukasevangelium:

Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach.

Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei, und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.

Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.

– Stille –

Etty Hillesum schreibt:

„Sonntagmorgengebet. Es sind schlimme Zeiten, mein Gott. Heute nacht geschah es zum erstenmal, dass ich mit brennenden Augen schlaflos im Dunkeln lag und viele Bilder menschlichen Leidens an mir vorbeizogen. Ich verspreche dir etwas, Gott, nur eine Kleinigkeit: ich will meine Sorgen um die Zukunft nicht als beschwerende Gewichte an den jeweiligen Tag hängen, aber dazu braucht man eine gewisse Übung. Jeder Tag ist für sich selbst genug. Ich will dir helfen, mein Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine wird mir immer deutlicher: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns letzten Endes selbst. Es ist das einzige, auf das es ankommt: ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. Und vielleicht können wir mithelfen, dich in den gequälten Herzen der anderen Menschen auferstehen zu lassen.“ 17

17 Das denkende Herz, S. 149

Wo und in welchem Maße kann ich Gott helfen?

Wo stand ich das letzte Mal vor einem offenen Grab?

Habe ich mich mit meiner eigenen Endlichkeit schon auseinandergesetzt?

Was sollte über mich auf meinem Grabstein stehen?

Ø Jesus, wir beten für alle, die in diesen Tagen einsam und verlassen an dieser Infektion in den Intensivstationen sterben.

Ø Jesus, wir beten für alle, die einen lieben Menschen durch den Tod zu beklagen haben.

Ø Jesus, wir beten für alle Bestattungsunternehmer_innen, die in diesen Tagen und Wochen sehr viel zu tun haben.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

XIII. Station

Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Johannesevangelium:

Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag. Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem anderen, der mit ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. (Joh 19, 31-34)

– Stille –

Etty Hillesum schreibt:

„Wie groß ist doch die innere Not deiner Geschöpfe auf dieser Erde, mein Gott. Es genügt nicht, nur von dir zu predigen, mein Gott, man muss dich in den Herzen der anderen erst aufspüren. Manchmal kommen mir die Menschen vor wie Häuser mit offenstehenden Türen. Ich gehe hinein, sehe mich in den Gängen und Zimmern um. Man sollte aus jedem Haus eine Wohnung machen, die dir geweiht ist, mein Gott. Und ich verspreche dir, ich verspreche

dir, dass ich in so vielen Häusern wie möglich Wohnung und Unterkunft für dich suchen werde, mein Gott. Ich gehe einen Weg entlang und suche nach einer Unterkunft für dich. Es gibt so viele leerstehende Häuser, in denen ich dich als Ehrengast unterbringe. Verzeih mir dieses nicht allzu geistreiche Bild.“ 18

18 Das denkende Herz, S. 146

Was macht mich in diesen Tagen traurig?

Wo fühle ich mich in dieser Zeit leblos, wie abgestorben?

Gibt es bei mir zerschlagene Hoffnungen?

Ø Für alle, die in der kommenden Zeit sterben werden: um eine gute Sterbestunde.

Ø Für alle, die zu Sterbenden gerufen werden: um Kraft zum Abschied und den Mut zum Loslassen.

Ø Für alle, denen diese Krisenzeit psychisch zu schaffen macht.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

XIV. Station

Jesus wird ins Grab gelegt

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,

A: denn durch Dein Heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Wir lesen aus dem Lukasevangelium:

Damals gehörte zu den Mitgliedern des Hohen Rates ein Mann namens Josef, der aus der jüdischen Stadt Arimathäa stammte. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. Die Frauen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, gaben ihm das Geleit und sahen zu, wie der Leichnam in das Grab gelegt wurde.

(Lk 23, 50 – 53. 55)

– Stille –

Alfred Delp schreibt:

“Es steht schlimm um eine Welt, wenn in ihr kein Platz mehr ist für die Wüste und den leeren Raum. Wenn alles erfüllt ist mit Lärm und Verbindungen und Kanälen und Verkehrsadern usw. Bestimmte Bezirke der Welt sollte der Mensch dem einsamen Menschen überlassen. Damit jedem immer die Möglichkeit erhalten bleibe, es mit der Abgeschiedenheit wenigstens zu versuchen. Das Gesetz des totalen Nutzens und der totalen Zweckmäßigkeit ist kein Gesetz des Lebens. Wüste und gelungenes, gesegnetes Leben stehen in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Die Welt, in der alle Einsamkeiten voll Lärm sind und alle schweigenden Musen zu Lasteseln degradiert und alle schöpferischen Quellen für die klappernden amtlichen Mühlen dienstverpflichtet wurden, diese Welt hatte die Wüste und ihre einsame Bewährung überwunden und sie hat dafür die Verwüstung eingetauscht. Die Wüste gehört dazu. Die `Preisgegebenheit` nannte das ein lieber Mensch, dem ich für dieses Wort danke. Allein und schutzlos den Winden und Wettern, dem Tag und der Nacht und den bangen Zwischenstunden preisgegeben. Und dem schweigenden Gott. Ja, auch dies ist eine, nein, es ist die Preisgegebenheit. Und hier wächst die zur Erlangung der Freiheit wichtigste Tüchtigkeit des Herzens und Geistes: die Unermüdlichkeit.” 19

19 Gesammelte Schriften Bd. 4, S. 221

Kann ich mich in der Wüste meines reduzierten Lebens selbst aushalten, oder flüchte ich in diverse Zerstreuungen?

Wo bleibt mir gegenwärtig nichts anderes übrig, als „zuzuschauen“ und abzuwarten?

In welchen Situationen erlebe ich mich den Umständen preisgegeben?

Ø Jesus, wir beten für alle, die sich vor dem Coronavirus fürchten.

Ø Jesus, wir beten für alle, die dem Tod und den Fragen nach dem Tod ausweichen.

Ø Jesus, wir beten für alle, die ohne Glauben an die Auferstehung leben.

Herr Jesus Christus, Heiland der Welt:

A: Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Abschlussgebet:

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir

A: und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

Herr Jesus Christus!

Wir suchen in dieser Zeit der Bedrohung durch die Coronakrise Übergänge zum Leben –

hilf uns leben

in der Spannung von Furcht und Zukunft,

in der Spannung von Gesundheit und Krankheit

in der Spannung von Arbeit und Arbeitslosigkeit,

in der Spannung von Aktion und Kontemplation,

in der Spannung von Wachen und Beten,

in der Spannung von Niedergang und Neuanfang,

damit wir als Menschen leben,

die den Keim der Zukunftshoffnung in uns tragen.

Herr, Jesus Christus!

Hilf uns, gegen den Tod zu stemmen –

und zu spüren, es kommt jene Stunde,

wo wir ahnen, es ist genug gekämpft und getan.

Es ist Zeit der Ergebung und Zeit der Einwilligung,

des Aufbruchs in die Zukunft,

die Auferstehung heißt.

Herr, Jesus Christus! Wir suchen Übergänge zum Leben –

zum Leben in Fülle,

zum Leben in Gesundheit und Sinnerfüllung,

zum Leben in Gemeinschaft und Alleinsein Können,

zum Leben in Arbeit und sinnvoller Beschäftigung,

zum Leben in Achtsamkeit vor der Schöpfung,

zum Leben in der gläubigen Erwartung und Hoffnung auf Leben.

Brücken suchen wir –

Brücken zu uns selbst,

Brücken zu den Menschen,

Brücken zu unserer Erde,

Brücken zu dir, Herr.

Hilf uns, zu getrösteten und geheilten Menschen zu werden, die an die Auferstehung glauben.

Pixabay, NanaCola

© Erwin Neumayer